Die "Transtirol-Bikerallye" steht für Alpenüberquerung ohne Stress! Für die Radsportler gibt's Service total - bei maximaler Freiheit. Noch im Herbst ist Ernst Sittinger für toptimes diese Rallye mitgefahren, um sie zeitgerecht fürs Bikejahr 2010 unseren radelnden Lesern ans Herz legen zu können.
Irgendwo tief im Zillertal. "Parkplatz Ewige Jagdgründe" steht auf dem blauen Schild am Straßenrand. Kein Hinweis, der Vertrauen weckt. Trotzdem kämpfe ich mich weiter die Kehren hoch, lasse Schweiß und Regentropfen über meine Haut rinnen. Jetzt biegt die Route scharf rechts in einen steilen Waldpfad, der mir den Rhythmus nimmt. Das Ziehen in den Oberschenkeln wird stärker, doch es ist nicht mehr weit bis zum Schlegeisspeicher. Und von dort geht's vielleicht noch 40 Minuten bis zum Pfunderer Joch. Hoffe ich. Ein brutal grobschottriger Wanderweg - angeblich für Mountainbiker voll fahrbar.
Vor zwei Tagen sind wir am Achensee aufgebrochen, jetzt überqueren wir auf fast 2.300 Metern Seehöhe den Alpenhauptkamm zwischen Nord- und Südtirol. Vor uns liegt das malerische Pfi tscher Tal. Und kaum sind wir in Italien, wird wie von Zauberhand auch das Wetter schön.
"TransTirol Bikerallye" nennt sich dieses exquisite Bikevergnügen, ich trage stolz die Startnummer 22 und soll in sechs Tagen gute 8.500 Höhenmeter überwinden. Eine waschechte Alpenüberquerung also, die aber völlig problem- und stressfrei läuft. Der Trip, der anfangs jedem der knapp 40 Starter großen Respekt abverlangt, erweist sich vom ersten Moment an als Genusstour. Denn die Organisatoren rund um den alten Transalp-Hasen Richard Deß überlassen hier nichts dem Zufall.
Richard, der alte Schwabe, ist zwar nicht von der gesprächigen Sorte, aber bei Alpenfahrten kennt er sich aus wie kein anderer. Aus allen Varianten einer Alpenüberquerung per Fahrrad hat er das jeweils Beste herausgepickt - und dieses neue Bikeabenteuer geschaffen: Man fährt von Etappe zu Etappe, muss aber nur den kleinen Tagesrucksack tragen, weil das Nachtgepäck per Bus vorausfährt. Die Bikerallye ist eine bestens organisierte Gruppenfahrt, aber kein Rennen: Jeder kann sein Tempo frei wählen, entweder im Feld mit den Guides dahinrollen oder im Alleingang die Höhenmeter fressen. Je nach Können, Lust und Laune fährt man also vorneweg, hinten nach oder mittendrin.
Service wie bei der Tour de France
Der gewünschte Effekt: Kein Warten, kein Hetzen, keine Drängelei, sondern pure Freude. Wir passieren jeden Tag saftige Almen, enge Talschluchten, malerische Marktfl ecken. Oft weiß ich vor lauter Landschaft gar nicht, wo ich bin, brauche aber trotzdem keine Karte. Denn auf die Jungs vom Betreuerteam ist Verlass. Buchstäblich jede Wegkreuzung ist mit einem blauen Pfeil markiert, ein Verirren daher fast ausgeschlossen.
Wie das funktioniert? ...
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